Oft werde ich gefragt: „Wie hast du angefangen zu malen?“ 

Eine einfache Frage und doch vielleicht keine, die sich leicht beantworten lässt. Mein Weg führte mich durch viele enge Gassen, über manche Mauern und in Sackgassen. Ich habe auf jeden Fall eine lange Reise hinter mir. Eine Reise auf der Suche nach Freiheit. Freiheit aus selbstgebauter Einsamkeit, Leere und Dunkelheit und Freiheit von den Rollenstrukturen, die mir als Mann in einer von totalitären und religiösen Strukturen geprägten Gesellschaft vorgeschrieben waren und meine Identität stark geformt haben. 



Irgendwann saß ich verloren, heimatlos und ohne Hoffnung bei einem Freund, der mir vorschlug, es mit dem Malen zu versuchen, weil es mir dadurch besser gehen könnte. Zunächst wollte ich nicht. Doch schließlich ging ich mit. Schon nach wenigen Pinselstrichen fühlte ich mich, als hätte ich eine Tür geöffnet zu einer Welt, die nur mir gehört. Eine neue Welt. In meinem ersten Bild erkannte ich meinen Schmerz. Es war, als hätte die Leinwand verstanden, wofür mir die Worte fehlten. Da wusste ich, Malen ist eine meiner Sprachen. 

 

Leinwand und Farben haben trotz aller schwierigen Situationen immer wieder ihren Weg zu mir gefunden. Manchmal wie ein Wunder. Diese neue Ausdrucksweise wurde zu einem Weg, auf dem ich mir selbst neu begegnet bin. Sie gab mir eine Stimme, half mir, die Dunkelheit zu begreifen, Verletzungen zu verarbeiten und Schweigen zu durchbrechen. Mit dem Malen erlebte ich die Freiheit, die ich immer gesucht habe. Dort habe ich erkannt, dass die Seite in mir, der ich lange aus dem Weg gegangen bin, gar nicht so beängstigend ist, sondern ein Teil meiner Identität, den ich annehmen und transformieren kann.